Seitengänge in der klassischen Dressur: Für mehr Beweglichkeit, Balance und Geraderichtung
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Katharina Dick · 30. Oktober 2026
Wie Schulterherein, Travers, Renvers und Traversalen die Beweglichkeit, Balance und Versammlungsfähigkeit deines Pferdes fördern können.
Warum Seitengänge so wertvoll für dein Pferd sind
Seitengänge gehören zu den wertvollsten gymnastizierenden Übungen in der klassischen Dressur. Sie machen den Pferdekörper geschmeidiger, fördern die Beweglichkeit und helfen dabei, das Pferd ins Gleichgewicht zu bringen. Dabei geht es nicht darum, möglichst anspruchsvolle Lektionen zu beherrschen, sondern das Pferd durch eine sinnvolle Ausbildung körperlich zu stärken und langfristig gesund zu erhalten.
Gymnastizierung und Geraderichtung
Jedes Pferd bringt von Natur aus eine gewisse Schiefe mit. Häufig fällt es ihm leichter, sich zu einer Seite zu biegen, während die andere Richtung mehr Schwierigkeiten bereitet. Durch die unterschiedlichen Seitengänge können wir gezielt daran arbeiten, die verkürzte Körperseite aufzudehnen und die längere Seite besser zu verkürzen. Die verschiedenen Stellungen, Biegungen und seitlichen Bewegungen helfen dem Pferd, beide Körperseiten gleichmäßiger zu nutzen. So fördern wir nicht nur die Beweglichkeit, sondern arbeiten auch an der Geraderichtung.
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Unsere Lernreihe mit Hanna und Christiane Horstmann lehrt dir die Grundlagen der klassischen Dressur, die Seitengänge, Abkauübungen und mehr.
Die Hinterhand stärken und Versammlung vorbereiten
Seitengänge können außerdem dazu beitragen, die Hinterhand zu kräftigen und ihre Tragfähigkeit zu verbessern. Durch die gezielte Stellung und Biegung wird das Pferd angeregt, seine Hinterbeine vermehrt unter den Körper zu führen und die Hanken stärker zu beugen. Mit zunehmender Kraft und Balance kann das Pferd mehr Last mit der Hinterhand aufnehmen und dadurch seine Vorhand entlasten. Diese Entwicklung bildet eine wichtige Grundlage für die Versammlungsfähigkeit.
Balance, Durchlässigkeit und feinere Hilfen
Ein weiterer Vorteil der Seitengänge ist, dass sie das Pferd aufmerksamer für die Hilfen des Reiters machen können. Es lernt, seine Schultern und Hinterhand gezielter zu bewegen, auf Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen zu reagieren und seine Balance leichter zu finden.
Richtig dosiert sind Seitengänge im Schritt auch eine wertvolle Ergänzung der lösenden Arbeit. Sie bringen Abwechslung ins Training und helfen dabei, den Pferdekörper auf die weitere Arbeit vorzubereiten.
Seitengänge am Boden vorbereiten
Bevor du mit den Seitengängen unter dem Sattel beginnst, lohnt es sich, die Grundlagen bereits am Boden zu erarbeiten. So kann dein Pferd lernen, auf seitwärtstreibende Hilfen zu reagieren. Besonders hilfreich ist es, wenn dein Pferd bereits verstanden hat, wie es seine Vorhand und Hinterhand unabhängig voneinander bewegen kann. Dieses Verständnis kannst du später beim Reiten aufgreifen und mit deinen Schenkel-, Gewichts- und Zügelhilfen verbinden.
Seitengänge bereits am Boden erarbeiten
In unserer Lernreihe mit Fiona Schütz erfährst du, wie du die Seitengänge Schritt für Schritt am Boden vorbereiten und erarbeiten kannst. So schaffst du eine hilfreiche Grundlage für die spätere Arbeit unter dem Sattel.
Schenkelweichen: Die seitliche Reaktion auf den Schenkel
Beim Schenkelweichen lernt das Pferd, auf die seitwärtstreibende Schenkelhilfe zu reagieren. Es bewegt sich dabei gleichzeitig vorwärts und seitwärts und tritt mit den Beinen über. Anders als bei den klassischen Seitengängen mit ausgeprägter Längsbiegung bleibt der Pferdekörper beim Schenkelweichen weitgehend gerade. Das Pferd ist lediglich leicht entgegen der Bewegungsrichtung gestellt.
Der Reiter fordert die seitliche Bewegung mit seinem Schenkel an. Dabei kann er das Pferd durch eine leichte Gewichtsverlagerung in Bewegungsrichtung unterstützen, sodass es lernt, dem Gewicht zu folgen. Der äußere Zügel gibt dem Pferd den Rahmen und hilft dabei, die Schultern zu kontrollieren. Wichtig ist, dass das Pferd im Hals nicht überstellt wird und die Halsbasis möglichst gerade bleibt. Andernfalls kann es passieren, dass das Pferd über die Schulter ausweicht, anstatt kontrolliert seitwärtszutreten.
Das Schenkelweichen schult besonders das Verständnis für die seitwärtstreibenden Hilfen, die Koordination und das kontrollierte Übertreten der Beine. Gleichzeitig kann es die seitliche Beweglichkeit fördern und ist eine sinnvolle Ergänzung der gymnastizierenden Arbeit.
Schulterherein: Ein Klassiker der Gymnastizierung
Das Schulterherein gehört zu den wichtigsten gymnastizierenden Übungen der klassischen Dressur. Nuno Oliveira bezeichnete es sogar als „Aspirin der Reitkunst: Es heilt alles.“ Damit unterstrich er, welchen Stellenwert diese Lektion in der Ausbildung des Pferdes hat. Beim Schulterherein wird die Vorhand des Pferdes nach innen geführt. Das Pferd ist dabei nach innen gestellt und gebogen, also entgegen der seitlichen Bewegungsrichtung. Je nach Abstellung (Winkelung zur Bande) bewegt es sich auf drei oder vier Hufschlägen.
Die Hilfengebung beim Schulterherein
Der äußere Zügel spielt eine wichtige Rolle: Er kontrolliert die Schultern und führt sie nach innen. Dazu können beide Hände kurzzeitig etwas ins Bahninnere geführt werden. Der innere Zügel unterstützt die Stellung und Biegung, sollte dabei aber möglichst leicht bleiben. Der innere Schenkel liegt am Gurt und unterstützt die Biegung, während der äußere Schenkel leicht zurückgelegt ist und die Hinterhand begrenzt. Eine Gewichtsverlagerung in Bewegungsrichtung hilft dem Pferd, dem Gewicht zu folgen.
Drei oder vier Hufschläge, wo liegt der Unterschied?
Beim Schulterherein auf drei Hufschlägen fußen das innere Hinterbein und das äußere Vorderbein annähernd auf einer Linie. Bei einer stärkeren Abstellung auf vier Hufschlägen entstehen vier getrennte Hufspuren. Durch die stärkere Abstellung wird das Pferd zu einer ausgeprägteren seitlichen Bewegung aufgefordert. Dabei steigen die Anforderungen an seine Beweglichkeit, Biegung und Koordination. Welche Abstellung sinnvoll ist, hängt vom Ausbildungsstand und dem gymnastischen Ziel ab.
Warum ist Schulterherein so wichtig?
Das Schulterherein fördert die seitliche Beweglichkeit und hilft, die natürliche Schiefe des Pferdes zu bearbeiten. Die innere Körperseite wird verkürzt, die äußere gedehnt. Gleichzeitig wird das innere Hinterbein angeregt, vermehrt unter den Körper zu treten. Bei korrekter Ausführung kann diese Arbeit die Tragfähigkeit der Hinterhand und damit die Versammlungsfähigkeit des Pferdes verbessern. Voraussetzung ist, dass das Pferd die Bewegung ausbalanciert ausführt und nicht über die Schulter ausweicht oder sich im Hals überbiegt.
Ein praktischer Einstieg: Von der Volte ins Schulterherein
Eine gute Vorbereitung ist die Volte. Sie hilft, Stellung und Biegung zu erarbeiten, bevor die Schultern auf die gewünschte Linie geführt werden. Beispielsweise kannst du in der Ecke eine Volte reiten und daraus ins Schulterherein entlang der langen Seite übergehen.
Konterschulterherein, ein anderer gymnastizierender Schwerpunkt
Das Schulterherein lässt sich ebenso als Konterschulterherein reiten, bei dem der Kopf des Pferdes zur Bande zeigt. Die grundlegende Bewegung bleibt vergleichbar, allerdings verändert sich die gymnastizierende Wirkung. Besonders auf dem Zirkel wird beim Konterschulterherein das Gewicht stärker in Richtung des äußeren Hinterbeins verlagert. Gleichzeitig wird das Überkreuzen der Vorderbeine gefördert. So bietet das Konterschulterherein eine weitere Möglichkeit, gezielt an Beweglichkeit, Balance und Geraderichtung zu arbeiten.
Lerne die Seitengänge Schritt für Schritt
In diesem Artikel haben wir dir einen ersten Einblick in die Arbeit mit den Seitengängen geben. In unserer Lernreihe zu den Grundlagen der klassischen Dressur zeigen dir Christiane und Hanna Horstmann ausführlich, wie du die einzelnen Seitengänge vorbereitest und erarbeitest.
Mit Schenkelweichen und Schulterherein hast du zwei wertvolle Übungen kennengelernt, mit denen du an der Beweglichkeit, Balance und Geraderichtung deines Pferdes arbeiten kannst. Doch die Seitengänge bieten noch viele weitere Möglichkeiten, dein Pferd gezielt zu gymnastizieren.
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In unserem zweiten Blogartikel beschäftigen wir uns mit Travers, Renvers und Traversale. Du erfährst, wie sich diese Lektionen unterscheiden, worauf es bei der Hilfengebung ankommt und wie du die Arbeit mit den Seitengängen weiterentwickeln kannst.
Seitengänge fördern die Beweglichkeit, Balance und Koordination deines Pferdes. Sie helfen dabei, an der natürlichen Schiefe zu arbeiten, die Hinterhand zu kräftigen und die Geraderichtung zu verbessern. Richtig dosiert können sie auch ein wertvoller Bestandteil der lösenden Arbeit sein.
Mit welchem Seitengang sollte ich beginnen?
Das Schenkelweichen eignet sich gut, um deinem Pferd die Reaktion auf seitwärtstreibende Schenkelhilfen verständlich zu machen. Auch das Schulterherein ist eine wichtige gymnastizierende Übung. Entscheidend ist, dass dein Pferd die Hilfen versteht und die Bewegungen zunächst in wenigen, gut ausgeführten Schritten erarbeitet.
Was ist der Unterschied zwischen Schenkelweichen und Schulterherein?
Beim Schenkelweichen bleibt der Pferdekörper weitgehend gerade und das Pferd ist leicht entgegen der Bewegungsrichtung gestellt. Beim Schulterherein wird die Vorhand nach innen geführt und das Pferd ist in Längsbiegung gestellt. Dadurch unterscheiden sich die Anforderungen an Beweglichkeit, Balance und Koordination.